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DIE NEUHEITEN IM FEBRUAR 2010


Die letzten Monate waren nicht gerade reich gesegnet mit erstklassigen News. 
Der Februar hatte bislang auch "nur" Comeback-Alben gebracht...

Doch hier kommt eine wunderbare CD mit afrikanischer Musik!!!

Und Anna Gouraris wundervolle Chopin-Interpretation!!!


Sehr erfreulich ist auch unsere Vorschau für den März:
demnächst erscheinen neue CDs von  Martin Ehlers (5.3.), Salif Keita (5.3.), Manu Katché (19.3.), 
Stacey Kent (19.3.). Außerdem ist eine neue CD vom Gotan Project angekündigt. 
Die Veröffentlichung der lange erwarteten Hotel EAST 4 / Mandarin verzögert sich leider, neuer VÖ-Termin voraussichtlich Ende April.


Außerdem: 
Ein Grammy für Leonard Cohen!  Lesen Sie hier

Ein Grammy für Joe Zawinul! Lesen Sie hier

Last update : 02.03.2010

Ali Farka Touré & Toumani Diabaté : 
Ali And Toumani
X

Die Kora ist eines der faszinierendsten Instrumente überhaupt. Gebaut aus einem Kürbis, der als Resonanzkörper dient, ist die westafrikanische Volksharfe nicht nur optisch ein wunderschönes Instrument. Ihr Klang ist unverkennbar, glockenhelle Klänge verströmen eine sanfte, weiche, angenehme Stimmung. 

Der 1965 in Mali geborene
Toumani Diabaté ist der gegenwärtig bedeutendste Koraspieler. Der 2006 im Alter von 67 Jahren verstorbene Ali Farka Touré war ganz ohne Zweifel der bedeutendste Gitarrist Afrikas. Sein Album "Talking Timbuktu", zusammen mit Ry Cooder eingespielt, wurde ebenso mit einem Grammy ausgezeichnet wie seine Kooperation mit Toumani Diabaté "In The Heart Of The Moon".

Im Sommer 2005 trafen sich Toumani Diabaté und der schon von seiner Krankheit schwer gezeichnete Ali Farka Touré in einem Londoner Studio, um dieses Album aufzunehmen, das sich als letzte musikalische Begegnung herausstellen sollte.

Drei der zehn Titel entspringen direkt der westafrikanischen Tradition, doch auch die restlichen Eigenkompositionen stehen völlig auf dem Boden dieser überlieferten Musikrichtung. Allen Titeln gemeinsam ist ein überwältigend "menschlich" wirkender Klang – ohne jede Anbiederung an Trends bieten die beiden Instrumentalisten eine Musik, die durch ihren Körper hindurchzufließen scheint, die von großer Innigkeit und gleichzeitig enormer Ausdrucksstärke zeugt.

Vom vielschichtig virtuosen Opener "Ruby" bis hin zu Titeln, die in ihrer (nur vordergründig) simplen Erzählform eine musikalische Geschichte erzählen, entspinnt sich ein wundervolles Geflecht an famosen Instrumentalleistungen. Dabei ist frappierend, wie sehr sich die beiden Protagonisten aufeinander einlassen, sich gegenseitig herausfordern und gleichzeitig unterstützen.

Die gesamte CD zeichnet sich außerdem durch die sanft schwingenden, federleicht dahinlaufenden Ryhthmen aus, die den Zuhörer ganz automatisch umfangen und in eine wohlige Stimmung versetzen.

Man muß ganz gewiß kein Fan afrikanischer Musik sein, um die Qualität der CD "Ali And Toumani" zu erkennen und zu genießen. Jeder Musikfreund wird, das verspreche ich, verzaubert sein von den so wohlig wirkenden Klängen und der friedlichen Stimmung, die sie verströmen.

Letztlich sei auch noch Nick Gold von der Firma World Circuit gedankt, der diese Aufnahme fünf Jahre im Archiv ließ um sie nun, genau zwischen den Todestagen von Cachaito Lopez und Ali Farka Toure, zu veröffentlichen. Besser kann man den Respekt vor großartigen Musikern wohl nicht ausdrücken!?

Gerhard Rühl, SHIROKKO MUSIK, 19. Februar 2010

Ali Farka Touré & Toumani Diabaté : Ali And Toumani
World Circuit 2010, Laufzeit 50 Minuten, CD € 19,50


Toumani Diabaté & Ali Farka Touré 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ali And Toumani

 

ANNA GOURARI : CHOPIN - THE MAZURKA DIARY X
Allenthalben wird heuer das "Chopin-Jahr" gefeiert und entsprechend von der Industrie ausgeschlachtet. Da bekommt man leicht eine Überdosis. 

Von vorliegender CD kann ich allerdings gar nicht genug bekommen, denn Anna Gourari spielt Chopins Mazurkas derart innig und gefühlvoll, daß man direkt süchtig werden könnte. So wie vor kurzem Maurizio Pollini Bach's Wohltemperiertes Klavier überwältigend interpretiert hatte, ist auch Gouraris Chopin-Einspielung ein Werk der Extraklasse.

Vor Jahren hatte ich über Anna Gouraris CD "Minuit" geschrieben: 
"Technik kann man üben - Gefühl muß man haben".
Dies trifft auf die CD Mazurka Diary in besonderer Weise zu!

Gerhard Rühl, SHIROKKO MUSIK, 19. Februar 2010

Berlin Classics 2010, Laufzeit 73 Minuten, CD € 19,90

 


Gourari : Mazurka Diary

 

Es muß schon ein schwieriges Unterfangen sein, nach jahrelanger Abstinenz auf die musikalische Bühne zurückzukehren. Macht man das Gleiche wie früher, heißt es "dem fällt auch nichts Neues ein". Macht man etwas Anderes, heißt es "früher war er aber besser".

Nicht allen Künstlern gelingt es wie Leonard Cohen, jahrzehntealte Songs in ein zeitgemäßes Gewand zu kleiden. Aber ich will Ihnen nicht mit meinem derzeitigen Lieblingsthema "Leonard Cohen" auf die Nerven gehen…

Innerhalb einer Woche sind uns drei CDs von Interpreten auf den Tisch geflattert, die seit langem nichts Neues mehr veröffentlicht hatten : Massive Attack, Sade und Peter Gabriel.
Den besten Eindruck macht dabei die neue CD von Sade – wohl weil hier die Erwartungshaltung am geringsten war. Gemischte Gefühle hinterläßt die CD von Massive Attack, denn hier halten sich wunderschöne Klänge und verstörende Sounds die Waage. Gänzlich enttäuscht sind wir jedoch von Peter Gabriels neuem Werk.

Hier die Einzel-Besprechungen:

 
Sade : Soldier Of Love X
Wohl kaum eine Schmuseparty ist seit den 80er Jahren ohne die sanft jazzigen Songs von Sade ausgekommen. Logischerweise bleibt Sade auch auf ihrem neuen Album diesem Konzept treu. Die Stimme ist faszinierend wie eh und je. 
Positiv auch anzumerken, daß Sade ihr bewährtes Begleitpersonal beibehalten hat und sich nicht ein "zeitgemäßes Sounddesign" hat aufdrängen lassen. 
Wobei aber auch Soldier Of Love durchaus scharfe und mutige Klänge aufweist. 
Weil aber die sanften Lieder überwiegen und dabei äußerst angenehm klingen, bekommt diese CD von uns eine ganz klare Kaufempfehlung.

Sony Music 2010, Laufzeit 48 Minuten, CD EUR 19,00

Sade, Soldier Of Love
Sade : Soldier Of Love

 

Massive Attack : Heligoland X
Eine der absoluten Vorreiterbands des "TripHop" später der "Lounge Sounds", ist die Band Massive Attack, die nach jahrelanger Pause wieder eine neue CD vorlegt. Faszinierende Klangschöpfungen und schöne Melodien sind auch auf dem neuen Album zu finden – dazu aber auch, wie gewohnt, einige befremdliche Sounds, die man sich wohl erarbeiten muß!? Alles in allem aber ein gelungenes Comeback!

Virgin Music 2010, Laufzeit 53 Minuten, CD EUR 19,00


Massive Attack : Heligoland

 

Peter Gabriel : Scratch My Back X
Zum Thema Peter Gabriel und seiner neuen CD würden mir viele Kommentare einfallen: angefangen von Gabriels großer Bedeutung für die Musikszene der letzten zwei Dekaden bis hin zu seiner offensichtlichen musikalischen Krise.

Ich beschränke mich aber auf eine ganz persönliche Einschätzung der CD Scratch My Back. Die melodramatische Larmoyanz, die konstruierte Ernsthaftigkeit dieser Musik bauen mich nicht auf sondern "ziehen mich runter". Das brauche ich ganz und gar nicht!

Gerhard Rühl, SHIROKKO MUSIK, 12. Februar 2010

Virgin Music 2010, Laufzeit 53 Minuten, CD EUR 19,50

 


Peter Gabriel : Scratch My Back

 

MISS LUNA : RISE & SHINE .
Normalerweise mache ich einen großen Bogen um CDs mit dem Aufdruck "Ibiza/Balearic House" – denn allzuoft werden dabei musikalische Inhalte der Großraumdisco-Partytauglichkeit geopfert. Dann flattert mir eine CD auf den Tisch mit genau diesem Sticker – sie wurde produziert von Chris LeBlanc, Roberto Sol und Florian "Florito" Juellich. Meine Skepsis wächst, denn dieses Team (bekannt durch seine intensive Zusammenarbeit mit DJ Jondal) war bislang eher durch lässige Lounge-Sounds als durch kernige Housebeats aufgefallen.

Aber: Vorurteile sind dazu da, abgebaut zu werden!
Denn die CD von Miss Luna ist eine echte positive Überraschung. Eingefleischten Fans von progressive House wird sie vielleicht zu "nett" sein, doch für den Hörer, der angenehme House-Rhythmen und gute Vocals schätzt, ist diese CD ein echter Geheimtip. 

Miss Luna hat in Zusammenarbeit mit dem schon erwähnten Produzententeam und mit tollen Sängern und Sängerinnen (überzeugend vor allem der Brasilianer Q Derhino) ein sympathisches Album mit souligen Passagen und mit disco-ähnlichen Bassläufen zusammengestellt. 

Gerhard Rühl, SHIROKKO MUSIK, im Februar 2010

Karmaloft Records 2009, CD € 18,00

Tracklisting:
Miss Luna feat. Q Derhino : Rise & Shine – 
Chris LeBlanc & Miss Luna feat. Yasmina : True Love – 
Miss Luna, Roberto Sol & Florito feat. Rana : Loveflow – 
Miss Luna feat. Q Derhino : The One – 
Miss Luna, Roberto Sol & Florito feat. Kent : Moments Like This – 
Miss Luna feat. Allan B : Genesis – 
Miss Luna feat. Q Derhino : Happiness Is True – 
Chris LeBlanc & Miss Luna : Into My Dream – 
Miss Luna feat. Allan B. : Back Into My Life – 
Miss Luna feat. Oceane : Paradis – 
Miss Luna feat. Eugenio Canavate : Daytona Race – 
Miss Luna feat. Q Derhino : Happiness Is True (Remix).

 

 

 

 

Miss Luna
Miss Luna : Rise & Shine

 

BLISS X
CAFE RESTAURANT BAR BY DJ FISHI

Lassen Sie sich von der Optik nicht verwirren! Hier handelt es sich keineswegs um eine neue CD der Gruppe Bliss! Auch nicht um eine neue CD des Hamburger Hotels EAST!
Sondern um eine Compilation, die Klaus Fischer alias DJ Fishi für ein Restaurant in Essen zusammengestellt hat!

Wormland Music 2010, Laufzeit 150 Minuten, 2 CDs € 21,00

Tracklisting:
CD 1 . Take A Bliss Lounge
DJ Pippi : 3 Letters – Night Lovers : Struga – Deep Chill : Walking Party – Schwarz & Funk : Laid Back – LB Sound : Impact – In The Night : Callao – Nausicaa : Alphen – Chill Vortex : Barita – Toquefans : Fodeh – H.F. Project : Keday – Soulbasics : Out Of Time – Lenny Ibizarre : Pink Panther Theme – Cafe 24h : Saint Maurice – Krown : Sunset Boulevard – Lovebirds : Tuesday – Do It : Acate.

CD 2 . Take A Bliss Club
Christos Fourkis : Unique – Kruse & Vesuviano : Don't Mute Me – Joris Voorn : We're All Clean – Jamie Anderson : Freerider – Michel Canitrot : Desire – DJ Chus : That Feeling – Degrees Of Motion : Show Me – Audiowhores : Stay – Knights Of The Round Table : Rumours – Tom & Jerry : Touch Me – Kismet : Lost Language – Thoneick, Diaz & Young Rebels : Perfect Moment – Magnesia : Today.


Cafe Bliss . Essen

 

GRAMMY FÜR LEONARD COHEN
Am 30. Januar 2010 wurde Leonard Cohen der Lifetime Award – Grammy für seine Lebensleistung verliehen. 
Das ist absolut gerechtfertigt, denn dieser Künstler hat in den letzten eineinhalb Jahren mehr als 190 Konzerte absolviert und dabei ca. 2 Millionen Hörer begeistert. Mehr als das – er hat eine weltweite Spur der Sympathie gelegt und dabei auch jede Menge junger Menschen fasziniert, die die zum Teil vierzig Jahre alten Songs in zeitgemäßen Arrangements erstklassig dargeboten bekamen.
Wir stehen mit den Grammy-Verleihungen üblicherweise auf Kriegsfuß, doch diesem Urteil können wir uns nur anschließen. Glückwunsch, Leonard. Mach weiter so!
Das SHIROKKO-Team

On January 30th Leonard Cohen was awarded with a Grammy for his lifetime achievement. Well deserved! LC has enlightened an estimated amount of 2 millions of spectators during his world tour with more than 190 concerts. More than that – he laid a worldwide trace of sympathy, fascinating many young people with his contemporary versions of well-known songs.
Usually we don't agree with many Grammy awards – but this one really hit the right guy!
Congratulations, Leonard! Your team from SHIROKKO MUSIK MUNICH.



Angesichts der Grammy-Verleihung möchten wir Ihnen nochmals die außerordentliche CD und DVD von Cohens Livetournee ins Gedächtnis rufen (und dringendst empfehlen):

 

LEONARD COHEN : live in london 2008 .

Als Leonard Cohen 2008 auf Welttournee ging, war im Vorfeld zu lesen, er sei in finanziellen Schwierigkeiten. Ich befürchtete deshalb, daß er seine Konzerte routiniert abspulen würde, eher von Sachzwängen als von Spiellaune auf die Bühne getrieben.
Doch weit gefehlt. Ich war begeistert! Begeistert vom Charme dieses Mannes, von seiner Ausstrahlung die so gänzlich bescheiden und unprätentiös, so verbindlich und elegant wirkte. 
Da fällt mir nur ein einziges Wort ein: Respekt. Tiefer Respekt.

Cohen wirkte ausgesprochen fröhlich und gleichzeitig demütig. Seine Begrüßung "we're honored to play for you tonight" wirkte ebensowenig aufgesetzt wie die Verabschiedung "thank you for keeping my songs alive". Daraus sprechen Stolz und Freude, es noch einmal geschafft zu haben.

Schon beim Intro, als Cohen, für seine 74 Jahre erstaunlich rüstig, auf die Bühne tänzelte, wurde klar: hier gibt einer sein Bestes. Und das ist eine Menge, blickt man auf das immense Gesamtwerk Leonard Cohens.

Begleitet wurde er von einer excellenten Band, die routiniert, professionell und dennoch inspiriert spielte. Hervorzuheben der fabelhafte spanische Gitarrist Javier Mas (der schon beim Konzert "Acordes con Leonard Cohen", erhältlich auf CD/DVD, eine tragende Rolle spielte), aber auch die wundervollen Begleit- sängerinnen Sharon Robinson und "The Sublime Webb Sisters". 
Achten Sie beispielsweise im Song "Who By Fire" auf die subtile Instrumen- tierung. Achten Sie auf den zurückhaltenden und dennoch präsenten Begleitgesang. Achten Sie auf die feinen solistischen Einlagen. 
Vielleicht achten Sie aber gar nicht auf Details, sondern lassen sich faszinieren von einem intensiven Konzerterlebnis, das sogar die kühle Olympiahalle in wohlige Atmosphäre tauchte.

Egal ob in sanftmütigen Songs wie "Suzanne" oder "Bird On The Wire", in den schelmischen Titeln „Tower Of Song" oder „I’m Your Man" – Cohen erwies sich stets in Hochform. Seine Stimme ist noch sonorer, noch faszinierender geworden – tief wie der Marianengraben, wie es im Booklet zur CD heißt.

Das Erlebnis, einen durch und durch bescheidenen, freundlichen und umgänglichen Künstler gesehen zu haben, beeindruckte mich zutiefst. Ebenso wie die wohlerzogene Koketterie, mit der Cohen nach jedem Song seinen Hut zog, seine Musiker vorstellte, sich vor ihnen verbeugte. 
Ein großer Künstler und ein großer Mensch.

Nunmehr ist ein fast kompletter Konzertmitschnitt als Doppel-CD und als DVD erschienen, ein feines Erinnerungsstück. Denn selbst auf "Konserve", vor allem natürlich auf DVD, wird die Faszination dieses Mannes deutlich.

Ich habe im Laufe der letzten Jahrzehnte viele Konzerte miterlebt, die noch lange Zeit Tagesgespräch waren. Mir ist aber kein einziges Konzert bewußt, das derartig lange in den Köpfen der Besucher nachwirkte. Noch heute, lange Zeit nach Cohens Auftritt in München, kommen die Hörer ins Schwärmen, wenn sie an das Konzert denken.

Wenn Sie, liebe Musikfreunde, dieses Gefühl nachvollziehen wollen, dann empfehle ich Ihnen: kaufen Sie sich die DVD, nehmen Sie sich 2 ½ Stunden Zeit, schalten Sie Ihr Handy aus, öffnen Sie eine Flasche Wein und sehen Sie Leonard Cohen Live In London. Sie werden fasziniert sein.

Gerhard Rühl, März 2009


Laufzeit 151 Minuten,
2 CDs € 25,00, DVD € 22,00

Tracklisting
CD 1:
Dance Me To The End Of Love – The Future – Ain’t No Cure For Love – Bird On The Wire – Everybody Knows – In My Secret Life – Who By Fire – Hey, That’s No Way To Say Goodbye – Anthem – Tower Of Song – Suzanne – The Gypsy’s Wife.

CD 2:
Boogie Street – Hallelujah – Democracy – I’m Your Man – A Thousand Kisses Deep (Recitation) – Take This Waltz – So Long, Marianne – First We Take Manhattan – Sisters Of Mercy – If It Be Your Will – Closing Time – I Tried To Leave You – Whither Thou Goest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GRAMMY FÜR JOE ZAWINUL

Am 11. September 2007 verstarb der Wiener Joe Zawinul, einer der herausragenden Jazz-Musiker aller Zeiten.
Mit seinem unverwechselbaren Sound, seiner innovativen Musik und seiner spitzbübischen Menschlichkeit hinterläßt Zawinul eine Lücke in der Musikwelt, die kaum zu füllen ist.

Nun wurde die CD „Joe Zawinul 75th“ mit dem Grammy „Jazz CD des Jahres“ ausgezeichnet. 
Damit wird Joe Zawinul posthum eine Ehre zuteil, die er längst verdient hatte. 

Anläßlich dieser Verleihung habe ich meinen Nachruf von 2007 wieder "ausgegraben". Lesen Sie hier...

 

JOE ZAWINUL : 75 th .
Dieser Live-Mitschnitt wurde aufgenommen an Joe Zawinuls 75. Geburtstag 
am 7.7.2007. Die Band war zwar nicht Zawinuls "beste" - aber ganz gewiß auch keine schlechte (schlechte Bands hatte Zawinul nämlich nie!).

Die DVD ist auch ein historisches Dokument. Denn noch bei dieser Aufnahme leuchteten Zawinuls Augen wach und schelmisch wie eh und je - kein Drandenken, daß er kurz darauf sterben würde.
Als Bonustrack ist auf der DVD ein Ausschnitt eines Konzertes mit Wayne Shorter enthalten, aufgenommen nur einen Monat später. 
Kein Vergleich - Zawinul wirkte müde und mutlos. Warum?

In der Zwischenzeit war Zawinuls Ehefrau Maxine verstorben, mit der er 45 Jahre verheiratet war. Dieser Verlust hatte Joe Zawinul ganz offensichtlich derart geschwächt, daß er seinen eigenen Lebensmut verlor und schließlich, ganz überraschend, am 11. September verstarb. 

Auch ohne diese historische Einordnung können Sie natürlich Joe Zawinuls letzten Live-Auftritt genießen. 

DVD, Laufzeit 100 Minuten, EUR 19,90

 


JOE ZAWINUL 




7.7.1932 - 11.9.2007
Manche Musiker erkennt man sofort am unverwechselbaren Sound. Denken Sie an Miles Davis' Trompete, an Carlos Santanas Gitarre oder an das Klavierspiel von Keith Jarrett. Einer dieser Musiker, die man aus Hunderten heraushört, war Joe Zawinul. Sein unverkennbarer, stark synkopierter Stil, seine typischen Akkordfolgen, seine Soundtüfteleien machen diesen Keyboarder einzigartig – einer der herausragenden (Jazz-) Musiker aller Zeiten.

Ende der 50er Jahre verließ Joe Zawinul seine Heimatstadt Wien in Richtung Amerika, angelockt von der dortigen Jazzszene. Er arbeitete mit Dinah Washington, schloß sich dann der Band von Cannonball Adderley an. In dieser Zeit entstand Zawinuls wohl bekanntester Titel "Mercy, mercy, mercy", der zum weltweiten Hit wurde (für einen Jazzsong keine Selbstverständlichkeit).

1969 holte ihn Miles Davis zu den Sessions von "In A Silent Way" – eine der genialsten Aufnahmen des Jazz. Die Liste der Musiker liest sich wie ein Who's Who: Herbie Hancock, Chick Corea, Jack de Johnette, John McLaughlin – allesamt Namen, die noch heute, vierzig Jahre später, jedem Jazzfan ein Begriff sind.

In jener Zeit entstand Zawinuls unverwechselbarer Stil, den er dann mit der legendären Band Weather Report zur vollen Entfaltung brachte. Weather Report, die wahrscheinlich beste Fusion-Jazz-Band aller Zeiten, bestand aus wechselnden Besetzungen. Kern der Band waren jedoch der phantastische Saxofonist Wayne Shorter, der Teufelsbassist Jaco Pastorius und der wundervolle Drummer Peter Erskine.

Nach dem viel zu frühen Tod von Jaco Pastorius zeigte Weather Report allmähliche Auflösungserscheinungen. Zawinul gründete seine eigene Band, mit stets wechselnden Besetzungen. Jetzt lief er zur Hochform auf. Denn jetzt konnte er verschiedenste Stilrichtungen einbauen, konnte Grenzen überschreiten, neue Projekte wagen. Er gab Dutzenden junger Musiker eine Chance, die mittlerweile selbst zu Stars geworden sind. Wie zum Beispiel die Bassisten Richard Bona und Etienne Mbappé. Zawinul baute auch viele afrikanische Elemente in seine Musik ein, arbeitete beispielsweise mit dem charismatischen Sänger Salif Keita zusammen.

In dieser Zeit entstanden wunderbare Werke, die noch auf Jahre hinaus richtungsweisend sein werden für Gattungen wie "Crossover" oder "Ethno Jazz".

Joe Zawinul war nicht nur ein phantastischer Musiker – er war auch eine erstaunliche Persönlichkeit.
Auf der Bühne war er stets umgeben von einer Vielzahl an elektronischen Geräten. Synthesizer, Sequencer und allerlei technische Neuerungen bildeten eine Art Kommandozentrale, hinter der er mit listigen und hellwachen Augen Publikum und Mitspieler beobachtete. In seinen Augen spiegelte sich die Spiel- und Experimentierfreude, er bedachte jeden Einsatz, jeden Break mit einem zufriedenen Blick. Seine eigene Stimme jagte er durch einen Vocoder und machte sie damit zu einem zusätzlichen Instrument.

Joe Zawinul bediente niemals den Mainstream, sondern war stets auf der Suche nach Neuem, Ungewohntem, Unerhörtem. Weil dies auch der innere Antrieb für unseren Laden, das SHIROKKO ist, verlieren wir in Joe Zawinul nicht nur einen hochgeschätzten Musiker, sondern auch einen "Bruder im Geiste".

Servus, Joe. Baba. Mercy mercy mercy

Gerhard Rühl, SHIROKKO MÜNCHEN
im September 2007

 

Anhörtips:
Miles Davis : In A Silent Way
Weather Report : Black Market
Weather Report : Heavy Weather
Joe Zawinul : My People
Zawinul Syndicate : World Tour

 

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