Leonard
Cohen
75. Geburtstag
am 21. September 2009
Eine Nachbetrachtung des Konzerts
im
Palau Sant Jordi, Barcelona
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Talk Of The Town
Wir haben in den letzten
Jahrzehnten eine Unmenge an Konzerten miterlebt. In den besten Momenten waren solche Konzerte für längere Zeit
"Tagesgespräch" – egal ob es sich um die Beatles
oder den Buena Vista Social Club, um Rubén Gonzalez oder Robbie
Williams handelte.
In der fast vierzigjährigen Geschichte des SHIROKKO haben
wir jedoch kein Konzert erlebt, das auch nur annähernd so lange in
den Köpfen und Herzen der Kunden und Hörer nachwirkte. Noch
heute, ein Jahr nach Leonard Cohens Auftritt in der
Münchner Olympiahalle, bekommen fast tagtäglich Leute eine
Gänsehaut, wenn sie nur daran denken (wir natürlich
eingeschlossen…).
Recherchiert man im Internet, fällt auf, daß
dieser Effekt seit 18 Monaten und ca. 150 Konzerten der gleiche
ist, egal wo Leonard Cohen aufgetreten ist. Beim Betrachten der
vielen privaten Videos kommt mir sogar der Gedanke: Cohens
Auftritte sind keine bloßen Konzerte, sie haben etwas von einem
Gottesdienst an sich (zumindest reisen viele Fans wie
Wallfahrer von Konzert zu Konzert).
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Something Special
Da war es naheliegend, daß wir Leonard Cohen anläßlich
seines 75. Geburtstages die Ehre erweisen und sein Konzert
besuchen – zumal es auch noch (sicherlich kein Zufall!?) in
unserer Lieblingsstadt Barcelona stattfand.
Es war uns klar : dies wird ein außergewöhnlicher Abend
werden.
Dann, zwei Tage vor dem Konzert, die schlimme Nachricht:
Leonard Cohen ist
in Valencia auf der Bühne zusammengebrochen.
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Der Abend des 21. September.
Schon die Anfahrt hellt unsere Stimmung auf. Im zauberhaften
Gelände des Montjuic mit seinen verschlungenen Wegen, den
vielen Palmen und Pinien, befindet sich der Palau Sant Jordi,
die ehemalige Olympiahalle. Vor der Halle ein großzügiger
Platz mit Grünflächen, Treppen, Wasserfall - erleuchtet von
riesigen gelben Lichtobjekten. Da mußte man sich zwangsläufig
entspannen und der frohen Erwartung hingeben.
Waiting For A Miracle
Trotz aller Entspanntheit und spanischer Lässigkeit waren
wir doch von einer gewissen Spannung beherrscht.
Was würde uns erwarten? Kommt Leonard Cohen?
Wie geht es ihm? Steht er ein ganzes Konzert durch? Wird er
vielleicht eine verkürzte Show bieten?
Als Leonard Cohen um 21 Uhr 40 die Bühne betritt, gibt es
erstmal minutenlange standing ovations.
Ja, er ist da – und er
macht einen sehr gesunden Eindruck.
Er beginnt das Konzert beginnt wie gewohnt mit "Dance Me To The End
Of Love". Erst vor "Bird On The
Wire",
dem Song, den er in Valencia abbrechen mußte,
kommen seine Dankesworte, die zwar von spürbarer Ergriffenheit
zeugen, aber gleichzeitig auch signalisieren: "ich bin fit und gebe was ich kann".
Und das war eine ganze Menge. Kein Anflug von Schwäche, ganz
im Gegenteil.
Ich erinnere mich spontan an die ersten Auftritte von Ibrahim
Ferrer, dem großartigen Sänger des Buena Vista Social Clubs.
Er schien zunächst verwundert über so viel Beifall, doch im
Laufe der Zeit wurde er vom schüchternen Begleitsänger zum
Bühnenstar.
Auch Leonard Cohen hat sich im Laufe eines Jahres deutlich
gewandelt. Im Vergleich zum Oktober 2008
ist er viel gelöster. Er ist zwar immer noch von
eleganter Bescheidenheit, nimmt immer noch aus Respekt vor
Musikern und Publikum den Hut ab - doch ist dies deutlich
weniger geworden. Stattdessen ist Cohen jetzt eindeutiger
Mittelpunkt, und er genießt dies spürbar. Aus seinen Augen sprüht mehr denn je die Zuversicht. Yes I
Can!
Auch die Musiker spielen viel lockerer und befreiter auf. Der Sound ist, kaum glaublich, noch besser geworden. Die
Bildregie hat noch mehr Details eingefangen und zeigt sie auf
den Videowänden.
Das Programm, leicht
verändert, scheint noch homogener. So singt Cohen
beispielsweise "Lover, Lover, Lover" in einem
eleganten Rumba-Rhythmus, als Hommage an Barcelona. Auch zu
hören sein Hit "The Partisan" und das weniger
bekannte, aber atmosphärisch dichte "Waiting For A
Miracle".
Das Publikum läßt sich immer wieder zu spontanem Beifall
hinreißen, immer wieder stehen die meisten der 14.000 Besucher
auf, um diesem außergewöhnlichen Menschen die Ehre zu
erweisen.
Absoluter Gänsehaut-Moment ist, als im Song "So Long
Marianne" Tausende von Zuschauern, wie auf ein geheimes
Kommando hin, von den hinteren Rängen nach vorne strömen um
ganz demonstrativ zu zeigen: Leonard, wir kommen zu dir, wir
wollen in deiner Nähe sein. So ergießt sich das Publikum
förmlich in den Raum vor der Bühne – Leonard Cohen ist
sichtlich gerührt von so viel Zuneigung.
Nach über drei Stunden, vollgepackt mit tiefen emotionalen
Momenten, entläßt uns Leonard Cohen mit seinen Schlußworten
in die milde spanische Nacht.
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Do You Remember The 21st Night In September
Mit diesen Worten begann einst ein Song von Earth, Wind &
Fire. Als hätten sie's geahnt – diese Nacht werden wir nie
mehr vergessen. Nicht wegen der so unglaublich entspannten und
dennoch so intensiven Stimmung. Vor allem nicht, weil wir das
Glück hatten, einem ganz besonderen Abend eines ganz besonderen
Künstlers beiwohnen zu dürfen.
Und, um noch mal auf die Theorie mit dem Gottesdienst
zurückzukommen – wir haben Ostern erlebt, im September. Weil
das vielleicht ein wenig zu pathetisch klingt, möchte ich
hinzufügen:
Danke, Leonard, Du hast uns den Glauben an menschliche
Künstler und künstlerische Menschen zurückgegeben. Oder, wie
die spanische Zeitung "La Vanguardia" schreibt: "En
estos tiempos, ya quedan pocos cantantes que den tanto en el
escenario". Zu deutsch: "Heutzutage gibt es wenige
Künstler, die auf der Bühne alles geben".
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Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir werden von dem, was uns
Leonard Cohen im vergangenen Jahr und am vergangenen Montag
gegeben hat, noch lange zehren.
Gerhard & Silvia Rühl, September 2009
P.S.: Überzeugen Sie sich selbst – sehen Sie auf YouTube
wunderschöne Videos von diesem Konzert (vor allem die von
Albert Noonan sind sehenswert!)
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Leonard
Cohen's 75th Birthday
A Review of his concert in
Barcelona, Palau Sant Jordi, September 21th, 2009
Talk Of The Town
We have seen many hundreds of concerts in the past decades. When
famous musicians visited our city, sometimes there was "something
in the air" for days or weeks. But in the forty years' history of
our shop we have never ever seen a concert that stayed for such a long
time in the people's (and in our) minds and hearts. Every single day
since October 2008 people get goosebumps just by thinking back.
Numerous contributions in the internet are talking of the same
effect – it seems that Leonard Cohen has laid a trace of sympathy
and respect all over the world.
Something Special
So we felt it was our duty to ignore financial and geographical
inconveniences and fly to Barcelona, as we had foreseen this will be
not a normal concert.
Two days before the concert the shocking news: Cohen had a breakdown
on the Valencia stage.
Barcelona
Having arrived at the Montjuic we felt better and more relaxed
immediately. A lovely place, like a campus, with thousands of fans
waiting, sitting, talking, eating and drinking in a fantastic
atmosphere.
But definitely there was still some fear – will Leonard Cohen be
able to play? The full show?
Waiting For The Miracle
When Cohen entered the stage, he was confronted with standing
ovations.
He's there – and he's looking pretty well, seems he is in very good
conditions.
Starting the concert as always with "Dance Me To The End Of
Love", Cohen waited until "Bird On The Wire" (the song
he had to quit in Valencia) with some personal words, signalizing: I
have come here to play, and I will give my very best.
It definitely was his very very best – I have never seen him
better. Much more relaxed, with more confidence and power. His band
played with more freedom for individual ideas, the sound was
incredibly good, also on the back row places. The cameramen did a real
good job by catching details and beaming them on the screens.
The program, with some changes, is better, more compact and
intense. Cohen pays tribute to Barcelona with his song "Lover,
Lover, Lover" in the elegant rhythm of Rumba Catalana. During
"So Long Marianne" thousands of spectators decide to leave
their seats and they crowd right before the stage. Sensational!
Incredible! Overwhelming!
After more than three hours of first-class music Leonard Cohen
leaves the stage, letting the public with incredibly intense feelings
go out in the warm Spanish night.
Do You Remember The 21st Night Of September?
With these lines Earth, Wind & Fire once started a song. What
a prophecy!
We well never forget this night, having the opportunity to share a
special event on a special day for a special artist.
Thank you very much, Leonard. You gave us back the belief for
subtleness, dignity and humanity in the music scene. The Spanish
newspaper La Vanguardia wrote: "There are only a few artists
today, who give everything they can on stage".
There's nothing more to say. What Leonard Cohen gave us will stay in
our memories for a long long time.
Gerhard & Silvia Rühl, September
2009 |
| IN
EIGENER SACHE : DIE SHIROKKO-REZENSIONEN |
Verehrte
Kundinnen und Kunden!
Egal ob Sie Ladenkunde oder Online-User sind: viele von Ihnen
schätzen meine/unsere Besprechungen der CDs.
Denn diese
Besprechungen sind "garantiert subjektiv".
Will heißen: sie sind nicht von irgendeinem PR-Text abhängig,
sondern entstehen ausschließlich durch das Anhören und der
Musik (meist zusammen mit Kunden).
Nun ist es aber nicht meine Aufgabe, Musik absolut zu bewerten.
Ich bin kein Musikwissenschaftler und auch kein Journalist. Als
Inhaber eines kleinen Ladens bin ich aber darauf angewiesen,
daß der Kunde zufrieden ist und wieder kommt.
Deshalb hat der Kunde die Erwartung und auch den Anspruch, daß
ich ihm eine Hilfestellung gebe, daß ich ihn berate, ob sich
der Kauf einer CD wirklich lohnt oder ob es eine Alternative
gibt.
Mit anderen Worten: unsere Kunden wollen von uns erfahren, wo
die Unterschiede in den einzelnen CDs liegen.
Nicht alle
Hotel-Costes-CDs, nicht alle Buddha-Bar-CDs, nicht alle
Klassik-Lounge-CDs sind absolut gleich, sondern zum Teil
deutlich unterschiedlich.
Dies dem Kunden klar zu machen, ist unsere wichtigste Aufgabe
als Verkäufer und als Berater.
Wir sind Händler, keine Richter. Sollten Sie (egal ob Musiker
oder Käufer) mit einer der - zugegebenermaßen oft recht
offenherzigen - Kritik nicht einverstanden sein, bitten wir um
Verständnis (oder noch besser: um kurze Rückmeldung - wir sind
Kritik gegenüber durchaus zugänglich).
Um es kurz zu machen:
wenn ich eine CD als "schlecht" bezeichne (was ich nur
ganz ganz selten so formuliere), dann kann die CD durchaus gut
sein - sie trifft mich nur aus irgendeinem Grund nicht.
Wenn ich aber schreibe, eine CD sei "gut", dann ist
sie es wirklich. Sie können sich drauf verlassen.
Und wenn diese
"gute" CD dann auch den Weg in Ihr Herz (und in Ihr
CD-Regal) findet, dann hat sich meine Arbeit gelohnt. Bedenken
Sie dabei auch, daß Sie vergleichbare CD-Rezensionen selbst bei
großen Firmen lange suchen müssen. Deshalb bitte ich schon im
Vorfeld kleinere "Ausrutscher" zu entschuldigen.
Wer mich und meine CD-Texte
genauer kennt, lernt auch zwischen den Zeilen zu lesen.
Recht oft beherzige ich den Satz des Wiener Literaten Alfred
Polgar, der gesagt hat:
"auch das Nichtschreiben ist oft Ergebnis reiflicher
Überlegung".
Ich bin ein hoffnungslos Musikbegeisterter und will meine eigene
Neugier dem Kunden vermitteln.
Ich will ihm aber auch helfen, sein Geld möglichst sinnvoll
auszugeben.
In diesem Sinne : "We'd
love to turn you on".
Gerhard Rühl, SHIROKKO
MUSIK MÜNCHEN, im April 2007 |
| TOR
DES MONATS |
Karl
Bruckmaier, langjähriger und verantwortlicher Mitarbeiter der Musikredaktion der
Süddeutschen Zeitung, schreibt in der SZ vom 28.03.2007
anläßlich einer Besprechung
der neuen Ry Cooder-CD:
"Ry Cooder hat sich zum Weltmusikheinz machen lassen,
der zwischen Mali und Kuba mit allen eine Platte aufnimmt, die
nicht schnell genug auf den Bäumen sind".
Wen meint Herr Bruckmaier da? Ali Farka Touré? Rubén
González? Ibrahim Ferrer?
Allesamt hervorragende Musiker, die zurecht weltweite
Beachtung fanden.
Toll, Herr Bruckmaier! Das ist großartiger Journalismus,
basierend auf fundiertem musikalischem Wissen, gepaart mit
tiefem menschlichem Respekt.
Gerhard Rühl, im März 2007
Und weil wir schon bei der SZ sind, noch ein Beispiel für |
| REALSATIRE |
| Reinhard
J. Brembeck (RJB), langjähriger Mitarbeiter der
Musikredaktion der Süddeutschen Zeitung und ausgewiesener
Kenner von Klassik und ethnischer Musik, analysierte am
2.02.07 den Startklang des neuen Microsoft-Betriebssystems
Vista (!)
Brembeck schreibt allen Ernstes wortwörtlich:
"An der Klangoberfläche wird Da-diiie,
da-diiiie" durch eine symmetrisch gebaute, aufsteigende
Folge von zwei Quartintervallen bestimmt, die durch einen
Großsekundschritt getrennt sind und eine Oktave in zwei
Sprüngen mühelos durchmessen – daher der positive
Charakter des Ganzen. Weil dabei aber nicht der Grundton,
sondern die dominante fünfte Stufe der Tonleiter erreicht
wird, entsteht ein Gefühl offener Spannung, deren Ziel, die
Tonika, in greifbarer, für jeden erreichbarer Nähe scheint.
Und weil der erste und dritte Ton wie Vorschläge aufmunternd,
aber durchaus nicht aggressiv auf Ton Zwei und Ton Vier
hinspringen, kommt ein sympathisch auf Aktivität gerichteter
Impetus ins Spiel. Solche Methoden sind typisch für die
Madrigalisten des 16. Jahrhunderts, während die
unterschiedliche, aber stets ins metallisch strahlende
Einfärbung der Klänge in die Moderne verweist. Sie
signalisiert höchste Vielfalt auf knappstem Raum, dessen
Stimmigkeit durch den Kadenzrahmen garantiert wird. Diese
Kurzanalyse der vier Sekunden dauernden Software-Ouvertüre
beweist einen an Anton Webern erinnernden Strukturreichtum –
kein Wunder, dass das Produktionsteam eineinhalb Jahre an
diesem Stück gearbeitet hat".
Na? Haben Sie alles kapiert?
Ich nicht. Was vielleicht daran liegt, daß Herr Brembeck
hier nur eine Kurzanalyse angefertigt hat.
Da hätte er sich schon mehr Mühe geben können, mich zu
überzeugen!?
So bleibt mir nur die Erkenntnis, daß ich ein totaler
musikalischer Depp bin, der nicht mal zwei Töne analysieren
kann. Danke, Herr Brembeck. Danke auch an die Süddeutsche
Zeitung. Denn durch solche Artikel bleibt mir der Kauf eines
Satire-Magazins erspart.
Gerhard Rühl, im März 2007 |
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